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Hätte ich nicht gewusst, dass ich nur über die Straße laufen
müsste, um meine Familie zu sehen, wäre ich wohl direkt an Mamas
Rockzipfel zurückgekehrt.
Da stand ich nun am Anfang meiner Selbstständigkeit und bekam
das große Muffensausen. |
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Dank Opas Finanzspritze hatte ich mir schon einige Dinge leisten
können. Zum einen hatte ich eine fast komplette Küche. |
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Naja, halt fast komplett. Für einen Herd hatte es noch nicht
gereicht und eigentlich hatte ich nach dem großen Feuer auch
keine große Lust, mein erstes eigenes Zuhause auch in Rauch
aufgehen zu sehen. |
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Das Wohnzimmer war zwar spartanisch eingerichtet, aber erfüllte
seinen Zweck.
Als erstes würde ich mich wohl darum kümmern, das noch gähnend
leere Bücherregal mit einigen dicken Wälzern zu bestücken. |
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Nein, ich hatte keinen Freund und daher auch keine Notwendigkeit
für ein Doppelbett gesehen. So konnte mir wenigstens niemand die
Decke klauen! |
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Das größte Problem waren wohl die mangelnden sanitären
Anschlüsse.
Zwar hatte Mama sich um einen Klempner gekümmert, aber dieser
hatte erst frühestens in zwei Wochen einen Termin.
Vermutlich musste ich dankbar sein, dass ich überhaupt ein Klo
hatte. |
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Nachdem ich meine drei Sachen verstaut hatte, machte ich es mir
erstmal mit einem guten Buch auf meinem neuen Sofa gemütlich.
Irgendwie wirkten meine paar Möbel in Gesellschaft von Omatapete
und schmuddeligen Bodendielen recht deplatziert. |
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Bisher hatte ich von meiner neuen Heimat noch nicht viel
gesehen. Also schloss ich das Kapitel und schwang mich aufs Rad,
um ein wenig die Gegend zu erkunden. |
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Nachdem ich mich neugierig in den Büschen vor der Polizeiwache
rumgeschlagen hatte, rappelte auf einmal mein Handy und Mama war
dran.
Sie erzählte mir davon, dass sie in der Zeitung ein Inserat
gelesen hatte, dass das Rathaus dringend Leute für das Polieren
von Podien suchten. |
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Ich hatte eh nichts besseres vor und dachte, ich könnte mal mein
Glück versuchen. Offenbar hatte sich niemand auf die Annonce
gemeldet und ich bekam direkt die Zusage, dass ich am nächsten
Montag die Arbeit aufnehmen könnte. |
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Beflügelt vom ersten Erfolgserlebnis erzählte ich der erstbesten
Passantin von meiner neuen Stelle. Diese stellte sich als Betti
Simovitch vor, was mich aber ehrlich gesagt in diesem Moment
nicht so wirklich interessierte. |
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Denn ein neuer Job war auch mit neuen Verpflichtungen verbunden
und so verzog ich mich in den örtlichen Lesesaal, um an meinem
Charisma zu arbeiten.
Natürlich entging mir nicht, dass dieser Ort offenbar auch von
etlichen männlichen Bewohnern gerne und viel aufgesucht wurde. |
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Aber ein weiterer Blick aus dem Augenwinkel auf meinen Papa und
ich verwarf die Absicht, mit den Herren hier erstmal auf
Tuchfühlung zu gehen. |
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Denn wo Papa war, konnte Mama nicht weit sein. Und ich hatte
keine Lust auf peinliche Szenen, in denen sie mich aufforderte,
ihr doch den potenziellen Schwiegersohn und Vater ihrer
künftigen Enkel vorzustellen. |
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Gerade wollte ich mich unbemerkt hinausstehlen, als ich auch
schon meinem Vater in die Arme lief.
Wie nicht anders zu erwarten, wollte er sämtliche Details meines
Vorstellungsgespräches wissen und freute sich, als ich ihm
versicherte, den Job sicher in der Tasche zu haben. |
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Kurz darauf machten sich meine Eltern auch auf den Weg nach
Hause und ich begann, die ersten Kontakte zu knüpfen.
Leider schienen hier so ziemlich alle Herren der Schöpfung
bereits vergeben zu sein.
Es war zum Verzweifeln!! |
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Aber trotzdem war ich zufrieden über meinen ersten Tag in der
Selbstständigkeit.
Und so fiel ich todmüde mitten in der Nacht in mein Bett. |
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Und zwar war ich dermaßen müde, dass ich durch das penetrante
Hupen meiner Fahrgemeinschaft aus dem Schlaf gerissen wurde.
Schnell sprang ich in die Hose und begab mich zum Auto, denn am
ersten Tag wollte ich nicht direkt zu spät kommen. |
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The first day on the job und ich hatte sofort eine Beförderung
in der Tasche.
Nun durfte ich die Stimmzettel auszählen und mit dieser guten
Neuigkeit stattete ich
meinen Eltern und Opi einen kurzen Besuch ab. |
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Irgendwann musste ich aber in mein eigenes Zuhause zurückkehren
und ganz ehrlich: Langsam fiel mir die Decke auf den Kopf.
Das Geld der Beförderung reichte noch lange nicht, um mir eine
Anlage oder gar einen PC zu leisten.
Aber am meisten fehlte mir wohl Gesellschaft und so stopfte ich
fast schon missmutig meinen Salat in mich hinein. |
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Die Stille im Haus war beinahe schon unerträglich und so war ich
vor Sonnenaufgang schon wieder auf den Beinen.
Ich entschloss mich dazu, einen Spaziergang zu machen.
Den Weg, der hinter meinem Grundstück her führte, war mir noch
ganz unbekannt und auf meiner Miniwanderung stolperte ich über
einige Samen.
Ich hatte keine Ahnung, welcher Art diese waren, aber sie waren
verdammt riesig. |
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Irgendwann erreichte ich den Friedhof.
Eigentlich wollte ich noch ein wenig in meinem Buch lesen, bevor
ich bei der Arbeit antreten musste, als ich von der Neugier
getrieben einen Blick in die Katakomben wagen wollte. |
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Fragt lieber nicht, was sich dort abgespielt hat.
Jedenfalls werde ich so schnell die Ahnen von Riverview nicht
mehr besuchen! |
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Ich war doch ziemlich verstört nach meinen Erlebnissen in den
unterirdischen Tunnelsystemen.
Notdürftig säuberte ich mich und dann war es auch schon Zeit,
dass ich mich auf den Weg machte.
Aber der Schreck sollte mir noch einige Stunde nachhängen, da
könnt Ihr sicher sein! |
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Die Bewohner von Riverview sind schon ein eigenartiges Volk.
Während wir in der Mittagspause waren, ertönte von vor dem
Gebäude ein fast schon tosender Lärm.
Als ich einen Blick aus dem Fenster warf, erblickte ich zwei
"Damen", die sich sprichwörtlich an die Gurgel gingen.
Sachen gibt's! |
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Ansonsten war mein Leben nicht besonders aufregend. Ich schlief,
aß und ging zur Arbeit.
Und manchmal plünderte ich auch die Gärten meiner Nachbarn. |
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Im örtlichen Kunstmuseum entdeckte ich eine öffentliche
Staffelei und ich brachte mein Erstlingswerk auf die Leinwand.
Allerdings war das nicht gerade berauschend und ein Warhol würde
ich wohl nicht so schnell werden... |
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Ich hätte nicht gedacht, dass das Erwachsensein so stumpfsinnig
sein konnte.
Also brauchte ich etwas Abwechslung und so schmiss ich mich in
mein Lieblingskleid und entschloss mich zu einigen
Spontanbesuchen bei meinen Nachbarn.
Einige waren nicht zu Hause, andere machten gar nicht erst auf.
Aber an einem alten Spritzenhaus hatte ich Glück und machte mich
mit George Dean bekannt. |
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George war supernett und bat mich direkt in sein Haus.
Ich muss zugeben, dass ich doch leicht neidisch war.
Alles war so nett verklinkert und die Wohnung hatte ein wenig
was von einem Loft.
Und außerdem hatte er weitaus mehr Möbel als ich. |
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George und ich verstanden uns wirklich auf Anhieb.
Und so verbrachten wir einige schöne Stunden und unterhielten
uns prächtig. |
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Ich weiß nicht, was und ob ich überhaupt etwas falsch gemacht
hatte, als George mich plötzlich vor die Tür setzte.
Er meinte, es wäre schon ganz schön spät und er müsse früh
raus... ich hätte ja bestimmt Verständnis.. bla.
Irgendwie war ich ziemlich enttäuscht. |
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Da stand ich nun vor der verschlossenen Tür.
Trotz des Quasi-Rauswurfs ging mir George offenbar nicht mehr
aus dem Kopf. |
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